Die ESRS-Standards und „Erfolg mit Anstand“

Erfolg mit Anstand Aug. 20, 2025

Mit den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) hat die EU verbindliche Standards für die Nachhaltigkeits-Berichterstattung auf Basis der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erlassen bzw. zusammengefasst. Unternehmen, die nach den ESRS berichtspflichtig oder in ihrer Lieferkette gehalten sind, diese Standards zu erfüllen, stellen zu Recht die Frage, wie sich dies mit dem Entwicklungsmodell „Erfolg mit Anstand“ und dem dafür geschaffenen Zertifizierungssystem verträgt.

Die Antwort ist komplex und einfach zugleich. Einfach, weil die ESRS neben zahlreichen anderen Normen und Standards, die in der Einleitung zum Entwicklungsmodell 2.0 auf S. 7 f. aufgeführt sind, bei der Konzeption bzw. Aktualisierung des Modells berücksichtigt wurden. Komplex, weil die ESRS im Rahmen ihrer Struktur (12 thematische Standards), den wesentlichen Kriterien sowie den jeweiligen Inhalten und Offenlegungspflichten detaillierte Regelungen und Beschreibungen enthalten.

Die Struktur der ESRS gibt erste Indizien für den Vergleich von ESRS und Entwicklungsmodell: Sämtliche 12 thematischen Standards werden im Entwicklungsmodell grundsätzlich berücksichtigt. Es handelt sich um

  • Allgemeine Anforderungen (ESRS 1): Definitionen, Prinzipien usw., Allgemeine Angaben (ESRS 2): Strategie, Wesentlichkeit, KPI usw.
  • Umweltstandards: E1: Klimawandel, E2: Umweltverschmutzung, E3: Wasser- und Meeresressourcen, E4: Biologische Vielfalt und Ökosysteme, E5: Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
  • Standards Soziales: S1: Arbeitskräfte des Unternehmens, S2: Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette, S3: Betroffene Gemeinschaften, S4: Verbraucher und Endnutzer
  • Governance: G1: Unternehmensführung, Geschäftsverhalten, Korruption, Lobbying, Whistleblowing u.a.m.

Ein thematischer Vergleich zeigt, dass die Unternehmensführung im Bereich 1 „Organisationsführung“ des Entwicklungsmodells behandelt wird, die Strategie im Bereich 2 „Strategieentwicklung und -umsetzung“. Die Einhaltung der Umweltstandards spielt in verschiedenen Entwicklungsbereichen und -potenzialen des Modells eine Rolle. Hierzu werden im Rahmen der Analyse die Sustainable Development Goals (SDG) herangezogen und ihre Berücksichtigung bei jedem Potenzial unter der Rubrik „Potenzieller Beitrag zur Agenda 2030“ anhand beispielhaft ausgewählter SDG-Unterziele erfragt. Die Arbeitskräfte des Unternehmens werden im Bereich 3 „Organisationsmitglieder“ in verschiedenen Potenzialen betrachtet, während die Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette im Entwicklungsbereich „Wertschöpfung“ analysiert werden. Hier wird auch unter anderem im Potenzial „Marketing und Vertrieb“ die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens für betroffene Gemeinschaften, Verbraucher und Endnutzer geprüft.

Ein Kernprinzip der ESRS-Standards ist die „doppelte Wesentlichkeit“, d.h. die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen auf das Unternehmen („Outside-in“, d.h. Auswirkungen der Nachhaltigkeit auf das Unternehmen, finanzielle Wesentlichkeit, und „Inside-out“, d.h. die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft, Impact-Wesentlichkeit). Mit dieser Anforderung befassen sich mehrere Entwicklungspotenziale des Entwicklungsmodells (Organisationsführung, Strategie, Berichtswesen).

Das Entwicklungsmodell folgt in seiner Struktur jedoch nicht den ESRS-Standards und seinen Nachhaltigkeits-Anforderungen, sondern hat das Unternehmen im Ganzen und die wichtigen unternehmerischen Handlungs- und Verantwortungsbereiche im Fokus, die ihrerseits zahlreichen regulativen Anforderungen, nicht zuletzt der ESRS-Standards, unterliegen. Im Dialog mit der Geschäftsleitung und wichtigen Führungskräften des Unternehmens werden  die Governance sowie die einzelnen Leistungsbereiche so analysiert, dass daraus Stärken und Schwächen, Handlungsfelder und Verbesserungspotenziale abgeleitet und Verbesserungsvorschläge erstellt werden können – eine umfassende Beratungsleistung, verbunden mit konkreten Anregungen, Impulsen und Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Unternehmens, in mehreren Stufen und mit überschaubarem Zeit- und Kostenumfang für das jeweilige Unternehmen.