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Die ESRS-Standards und „Erfolg mit Anstand“

Mit den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) hat die EU verbindliche Standards für die Nachhaltigkeits-Berichterstattung auf Basis der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erlassen bzw. zusammengefasst. Unternehmen, die nach den ESRS berichtspflichtig oder in ihrer Lieferkette gehalten sind, diese Standards zu erfüllen, stellen zu Recht die Frage, wie sich dies mit dem Entwicklungsmodell „Erfolg mit Anstand“ und dem dafür geschaffenen Zertifizierungssystem verträgt.

Die Antwort ist komplex und einfach zugleich. Einfach, weil die ESRS neben zahlreichen anderen Normen und Standards, die in der Einleitung zum Entwicklungsmodell 2.0 auf S. 7 f. aufgeführt sind, bei der Konzeption bzw. Aktualisierung des Modells berücksichtigt wurden. Komplex, weil die ESRS im Rahmen ihrer Struktur (12 thematische Standards), den wesentlichen Kriterien sowie den jeweiligen Inhalten und Offenlegungspflichten detaillierte Regelungen und Beschreibungen enthalten.

Die Struktur der ESRS gibt erste Indizien für den Vergleich von ESRS und Entwicklungsmodell: Sämtliche 12 thematischen Standards werden im Entwicklungsmodell grundsätzlich berücksichtigt. Es handelt sich um

  • Allgemeine Anforderungen (ESRS 1): Definitionen, Prinzipien usw., Allgemeine Angaben (ESRS 2): Strategie, Wesentlichkeit, KPI usw.
  • Umweltstandards: E1: Klimawandel, E2: Umweltverschmutzung, E3: Wasser- und Meeresressourcen, E4: Biologische Vielfalt und Ökosysteme, E5: Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
  • Standards Soziales: S1: Arbeitskräfte des Unternehmens, S2: Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette, S3: Betroffene Gemeinschaften, S4: Verbraucher und Endnutzer
  • Governance: G1: Unternehmensführung, Geschäftsverhalten, Korruption, Lobbying, Whistleblowing u.a.m.

Ein thematischer Vergleich zeigt, dass die Unternehmensführung im Bereich 1 „Organisationsführung“ des Entwicklungsmodells behandelt wird, die Strategie im Bereich 2 „Strategieentwicklung und -umsetzung“. Die Einhaltung der Umweltstandards spielt in verschiedenen Entwicklungsbereichen und -potenzialen des Modells eine Rolle. Hierzu werden im Rahmen der Analyse die Sustainable Development Goals (SDG) herangezogen und ihre Berücksichtigung bei jedem Potenzial unter der Rubrik „Potenzieller Beitrag zur Agenda 2030“ anhand beispielhaft ausgewählter SDG-Unterziele erfragt. Die Arbeitskräfte des Unternehmens werden im Bereich 3 „Organisationsmitglieder“ in verschiedenen Potenzialen betrachtet, während die Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette im Entwicklungsbereich „Wertschöpfung“ analysiert werden. Hier wird auch unter anderem im Potenzial „Marketing und Vertrieb“ die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens für betroffene Gemeinschaften, Verbraucher und Endnutzer geprüft.

Ein Kernprinzip der ESRS-Standards ist die „doppelte Wesentlichkeit“, d.h. die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen auf das Unternehmen („Outside-in“, d.h. Auswirkungen der Nachhaltigkeit auf das Unternehmen, finanzielle Wesentlichkeit, und „Inside-out“, d.h. die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft, Impact-Wesentlichkeit). Mit dieser Anforderung befassen sich mehrere Entwicklungspotenziale des Entwicklungsmodells (Organisationsführung, Strategie, Berichtswesen).

Das Entwicklungsmodell folgt in seiner Struktur jedoch nicht den ESRS-Standards und seinen Nachhaltigkeits-Anforderungen, sondern hat das Unternehmen im Ganzen und die wichtigen unternehmerischen Handlungs- und Verantwortungsbereiche im Fokus, die ihrerseits zahlreichen regulativen Anforderungen, nicht zuletzt der ESRS-Standards, unterliegen. Im Dialog mit der Geschäftsleitung und wichtigen Führungskräften des Unternehmens werden  die Governance sowie die einzelnen Leistungsbereiche so analysiert, dass daraus Stärken und Schwächen, Handlungsfelder und Verbesserungspotenziale abgeleitet und Verbesserungsvorschläge erstellt werden können – eine umfassende Beratungsleistung, verbunden mit konkreten Anregungen, Impulsen und Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Unternehmens, in mehreren Stufen und mit überschaubarem Zeit- und Kostenumfang für das jeweilige Unternehmen.

Zitat der Woche

“We don’t have to engage in grand, heroic actions to participate in the process of change. Small acts, when multiplied by millions of people, can transform the world.”

goodreads, zugegriffen am 05.01.2025, https://www.goodreads.com/quotes/214717-we-don-t-have-to-engage-in-grand-heroic-actions-to

„Wir müssen keine großen, heldenhaften Taten vollbringen, um am Wandel teilzunehmen. Kleine Taten, multipliziert durch Millionen von Menschen, können die Welt verändern.“

Howard Zinn, 2007, S. 270 – mitgeteilt von unserem Team-Mitglied Annika Martens

Kooperation mit dem Fraunhofer IAO

Bei unserem Bemühen, unser Entwicklungsmodell „Erfolg mit Anstand“ für Unternehmen und den Weg zum Deutschen Ethik Index bekannter zu machen, setzen wir auch auf Kooperationen.

Wir freuen uns, die Vereinbarung einer Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart, bekanntzugeben! In verschiedenen Analysen und Gesprächen haben wir eine grundsätzliche Übereinstimmung hinsichtlich der Auffassungen und Wege identifiziert, Unternehmen dabei zu helfen, nachhaltig zu werden.

Sowohl die gemeinsame Basis der ISO 26000 – Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung – als auch die Entwicklungsbereiche unseres Modells und das Reifegradmodell „Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen“ des Fraunhofer IAO weisen zahlreiche Übereinstimmungen auf: beide Organisationen unterstützen insbesondere mittelständische Unternehmen dabei, sich nachhaltig aufzustellen und zu positionieren, ermitteln das Erreichen von Entwicklungsstufen bzw. Reifegraden und berücksichtigen dabei die sog. ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance).

Gemeinsam wollen wir eine breitere Öffentlichkeit für unsere Ziele und Vorgehensweisen erreichen und Aufwände durch Synergien reduzieren.

Wir bedanken uns bei unseren Gesprächspartnerinnen und -partnern beim Fraunhofer IAO für das konstruktive Miteinander und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Link zu Websites des Fraunhofer IAO: https://www.iao.fraunhofer.de/ und https://www.digital.iao.fraunhofer.de/de/leistungen/DigitaleService-Systeme/Nachhaltigkeits-Check.html

Dr. Frank Edelkraut

Dr. Frank Edelkraut ist Experte für strategische Personalentwicklung und Agile Transformation. Als Interimsmanager war er vielfach in operativen HR-Leitungsfunktionen oder als Projektleiter tätig. Er publiziert regelmäßig und hat bereits mehrere Bücher zu Personal- und Managementthemen geschrieben. Als Speaker wird er zu Leadership und Organisationsthemen nachgefragt. Seit vielen Jahren engagiert Dr. Edelkraut sich als Mentor für Studierende und Gründer. Er ist aktives Mitglied der Versammlung Ehrbarer Kaufleute zu Hamburg e.V. (VEEK) und Botschafter der Stiftung Club of Hamburg. Mehr zu ihm unter https://www.linkedin.com/in/frankedelkraut/

Ringvorlesung „Angewandte Ethik“ aktuell

28. November 2024, 18:30 Uhr: Unser Botschafter Dr. Christian Hugo Hoffmann spricht über das Thema „Ethik & Künstliche Intelligenz für Innovationen in der Wirtschaft“

Nutzen Sie den Weblink zur Veranstaltung: https://htwg-konstanz.webex.com/htwg-konstanz/j.php?MTID=mafac086954e9726e475ab0026da32c6e

Die öffentlich zugängliche Ringvorlesung „Angewandte Ethik“ ist eine Veranstaltungsreihe unseres Vorstandsmitglieds Prof. Dr. Annette Kleinfeld an der HTWG Konstanz.

Dr. Christian Hugo Hoffmann

Dr. Christian Hugo Hoffmann ist erfolgreicher Unternehmer und KI-Unternehmer. Seine erste Unternehmung als Ausgründung seines abgeschlossenen Promotionsprojekts im Bereich der Finanzwissenschaften an der Universität St. Gallen, welche er veräusserte, hat sich einer Risikomanagementlösung unter Einsatz von KI für mittelständische und kleinere Banken verschrieben. Danach war er in C-Level-Positionen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz tätig und hat insgesamt Firmen in Deutschland, der Schweiz und Malawi mitgegründet. Er wirkt derzeit überzeugt als Clusterpreneur, einerseits mit seiner Immobilienfirma House of Lab Science und anderseits als Leiter des AI Startup Centers in Zürich. Er setzt sich in Schriften, Reden wie im praktischen Unternehmertum für mehr Verantwortungsübernahme aktiv ein. Dr. Hoffmann ist Botschafter der Stiftung Club of Hamburg.

Ringvorlesung „Angewandte Ethik“

Es ist wieder soweit: An der HTWG Konstanz findet erneut die öffentliche Ringvorlesung „Angewandte Ethik“ ab dem 22.10.2024 bis zum 23.01.2025 jeweils donnerstags – mit Pause zu den Feiertagen – statt, geleitet von Frau Prof. Dr. Annette Kleinfeld.

Hier der Link zur Website der HTWG: https://www.htwg-konstanz.de/hochschule/fakultaeten/wirtschafts-kultur-und-rechtswissenschaften/projekte-und-angebote/angewandte-ethik/

Und hier der WebEx-Link zu den Veranstaltungen: https://htwg-konstanz.webex.com/htwg-konstanz/j.php?MTID=mafac086954e9726e475ab0026da32c6e

Zitat der Woche

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass nachhaltige Unternehmensführung primär auf die Reduzierung des CO2-Footprints ausgerichtet ist. Ich bin der Auffassung, dass der Anspruch an Nachhaltigkeit auf die ganzheitliche Führung von Organisationen ausgerichtet sein sollte und alle wertschaffenden Funktionsbereiche und ihr Zusammenspiel umfasst.

Dr. Michael Pankow, Botschafter der Stiftung Club of Hamburg

Zitat der Woche

Das Wort „Anstand“ mag altmodisch klingen – ist es aber nicht. Immer häufiger wird es verwendet, um auf Missstände hinzuweisen, besseren Umgang miteinander einzufordern, sich auf wesentliche Grundwerte zu besinnen und zu beschreiben, worauf es wirklich ankommt. Anständiges Verhalten ist keine Gefälligkeit, zu der man gerade mal Lust hat, sondern eine Verpflichtung – gegenüber der Gesellschaft und gegenüber sich selbst.

Gerhard Lippe, Stiftung Club of Hamburg